Die ersten 2 Wochen waren schwierig, da wir ja noch nicht viel verstanden haben und ziemlich auf uns alleine gestellt waren. Zum Glück kam dann Tomasz aus dem Urlaub zurück. Er ist ein Freiwilliger aus Polen, der aber super Deutsch kann. Leider war seine Zeit hier schon fast um und letzten Donnerstag ist er wieder nach Hause geflogen.


Natürlich haben wir in den ersten zwei Wochen nicht nur auf der faulen Haut gelegen.
Am ersten Sonntag, den wir hier erlebt haben, wurden wir in der Messe von Pater Airton vorgestellt. In den nächsten Tagen bekamen wir dann von vielen Bewohnern der Müllstraße zu hören "Hey, ihr seid doch die neuen Deutschen (mit den Namen, das ist hier ein bisschen schwierig. Bei Lea geht das noch, weil ja schon einmal eine Lea hier war, aber Johanna...) wir haben euch in der Messe gesehen."

Montag wurde uns die Fundacao Terra gezeigt. Man kann schon sagen, hier ist in den letzten Jahren viel passiert und es wird wirklich daran gearbeitet, dass es den Menschen hier besser geht. Vor einer Woche wurde auch begonnen eine weitere Straße zu pflastern.
Dienstag haben wir uns nach Recife auf gemacht, da wir uns für unser Visum noch bei der Policia federal melden mussten. William, ein super netter Brasilianer, der klasse Deutsch spricht, da er ein Jahr in Deutschland verbracht hat, hat uns vom Busbahnhof abgeholt und uns geholfen. Zum Glück.  Der Kram mit der Polizei verzögerte sich länger als wir gedacht hatten und plötzlich war es schon spät. Mit dem Bus hätten wir nochmal 4 Stunden fahren müssen, bis wir wieder in Arcoverde angekommen wären, also mitten in der Nacht. Also haben wir spontan beschlossen in der Studenten-WG von William zu übernachten. Diese ist auch von der Fundacao Terra. Es stellte sich heraus, dass am nächsten Morgen auch zufällig einer der WG mit dem Auto nach Arcoverde fahren wollte und wir mitfahren konnten. Praktisch, das ging schneller und das Geld für den Bus haben wir auch gesparrt.
Tags drauf haben wir dann endlich mit der Arbeit hier angefangen. Wir waren ganz schön nervös.

Ich, Johanna, arbeite in Malhada. Malhada liegt etwas außerhalb von Arcoverde. Es ist eigentlich ein Bauernhof, doch im laufe der Zeit kamen auch eine Schule und ein Kindergarten dazu, damit die Kinder, die dort eher auf dem Land leben, auch eine Schule besuchen können und regelmäßige Mahlzeiten erhalten. Die Bevölkerung dort ist nämlich mindestens genauso arm wie hier in der Stadt und wohnen zum Großteil noch in Blechhütten. Auch die Wasserversorgung ist mehr als schlecht. Aber in der Schule und im Kindergarten werden die Kinder gewaschen und erhalten, wie schon gesagt, auch Essen.
Der erste Tag Malhada... typisch Brasilien, ich habe nämlich gesagt bekommen, dass der Bus um 5 Uhr morgens abfährt. Meine Begeisterung darüber hielt sich in Grenzen. Aber motiviert, wie ich bin, stand ich um 4 Uhr morgens auf und war dann auch pünktlich um kurz vor 5 Uhr an der Haltestelle. (Diese ist praktischer Weise direkt bei mir vor der Haustür und der Bus startet auch morgens hier. Deswegen bekomme ich immer einen Sitzplatz). Als der Bus um 5.20 Uhr immer noch nicht da war, wurde ich langsam etwas nervös. Hatte ich ihn schon verpasst? Weitere 10 Minuten später habe ich mir ein Herz gefasst und unseren Nachtwächter mit meinem eins a Megaportugiesisch gefragt, wann denn der Bus käme. Er war amüsiert, denn der Bus kommt immer erst um 6 Uhr. Er hatte sich auch schon leicht gewundert, was ich so früh schon auf der Straße mache. Auf einen Bus warten, der erst eine Stunde später kommt. Klasse. Die Geschichte erzählt er immer noch gerne. Na ja aber so haben wir uns noch
eine halbe Stunde unterhalten und er hat Leuten aus Malhada bescheid gesagt, dass ich an diesem Tag das erste mal komme. Dort wusste nämlich keiner bescheid... das ist Brasilien.

Nun aber zu meiner Arbeit in Malhada. In den ersten Tagen habe ich im Kindergarten gearbeitet. Dann hat mich Edjane, eine Lehrerin, gefragt, ob ich nicht auch einmal in die Schule kommen wolle, um mir erstmal alles anzugucken, bevor ich entscheide, wo ich arbeiten wolle. In der Schule, besser gesagt in der Vorschule, bin ich noch heute und ich fühle mich dort pudelwohl. Edjane ist einfach super nett und spricht immer mit mir. In den ersten Tagen wurde sie nie müde jede Vokabel, die ich nicht verstanden habe, im Wörterbuch nachzusehen. Mittlerweile ist mein Portugiesisch zumindest so viel besser geworden, dass nicht jedes Wort nachgeguckt werden muss, sondern Umschreibungen meistens ausreichen.
Die Atmosphäre in Malhada ist toll. Die Lehrerinnen sind alle gut befreundet und es wirkt fast wie eine Art Familie, in die ich ohne große Probleme aufgenommen worden bin. Am besten aber gefällt mir da die Arbeit mit den Kindern. Die Kinder aus meiner Klasse sind alle einfach nur toll. Es ist eigentlich jeden Tag lustig und jede menge los. Die Kinder wissen, dass ich noch nicht alles so hundertprozentig verstehe, aber das interessiert sie nicht, sie reden trotzdem viel und gerne!
Es ist wirklich optimal. Ich kann immer ein bisschen was dazu lernen. Ich verstehe in der Regel die Aufgabenstellung und erkläre die dann den Kindern. Dadurch prägen sich viele Wörter ein. Ich denke, dass ich das kommende Jahr in Malhada bleiben werde und nicht noch irgendwann hier ins Hauptprojekt wechseln werde. Zumindest nicht Vormittags. Nachmittags bin ich im Moment noch etwas unentschlossen, denn der Unterricht in Malhada endet um 12 Uhr. Die Kinder im Kindergarten bleiben zwar bis ca. 16.30 Uhr, schlafen aber von 12 bis 15 Uhr... da lohnt es sich nicht mehr wirklich da zu bleiben. Aber na ja ich werde schon noch etwas tolles finden.

So, dann werde ich, Lea, mal weiter erzählen, was ich so mache.Die ersten 4 Wochen habe ich in der Krippe hier im Zentrum der Fundacao gearbeitet. Es gibt dort 2 Gruppen: In der Ersten sind die Jüngeren. Der Jüngste ist 3 Monate alt. Sobald die Kinder 2 Jahre alt sind, kommen sie in die zweite Gruppe, "meine" Gruppe. Dort habe ich hauptsächlich mit den Kindern gespielt, aber da sie auch jeden Tag geduscht werden und Essen bekommen, habe ich auch mitgeholfen sie wieder anzuziehen oder habe das Essen verteilt. Das ist ein ganz schönes Gewusel, wenn 20 Kinder nacheinander geduscht werden und die einen warten müssen, bis sie dran sind und die anderen schon längst fertig sind... insgesamt ist dort immer Action angesagt! Da der Raum, in dem sich die Krippe zur Zeit befindet, nur ein Provisorium ist, gibt es viele Möglichkeiten irgendwelchen Unsinn zu machen, wie zum Beispiel auf alles Mögliche hinauf zu klettern. Es gibt einen Spezialisten in der Gruppe, der wirklich überall
drauf klettert, egal was es ist. Beim Essen wird dann auch mal mit Spaghetti geworfen und die Hälfte des Reis liegt sowieso meist auf dem Boden. Aber Spaghetti nur mit einem Löffel zu essen ist auch nicht so einfach. ;) Hauptsächlich habe ich aber natürlich mit den Kindern gespielt.
Nach diesen ersten vier Wochen hat mich eine Frau aus der Schule gefragt, ob ich nicht gerne dort arbeiten würde. Ich dachte mir, warum nicht?! In der Krippe habe ich nicht so viele Möglichkeiten gehabt, zu sprechen. Da ich ja noch nicht so wirklich Portugiesisch kann, war das eher ungünstig. Also bin ich dann an dem nächsten Montag in die Schule gegangen. Dort arbeite ich jetzt auch noch. Ich helfe der Lehrerin der Vorschulklasse, Mónica, beim Verteilen der Aufgaben, helfe den Kindern beim Lösen der Aufgaben und natürlich wird zwischendurch immer mal ein bisschen gespielt. Immerhin sind die Kinder ja im Schnitt erst 5 Jahre. Also ist mein Vormittag ähnlich wie der von Johanna. Um 11.30 Uhr endet die Schule allerdings, sodass der Nachmittag noch frei ist.
Seit dieser Woche ist das nicht mehr so.

Ich habe die Kinder aus der Krippe so lieb gewonnen, dass ich unbedingt auch mit ihnen noch etwas machen wollte. Also, gesagt getan. Ab jetzt bin ich nachmittags von 15-17 Uhr noch in der Krippe.
Insgesamt gefällt mir hier die Arbeit mit den Kindern total gut. Die Kleinen sind einfach super süß und auch wenn sie manchmal anstrengend sind, irgendwann lächeln sie einen an und alles ist wieder vergessen...
Ganz frei, hatte ich die Nachmittage vorher aber auch nicht. Die Kinder haben hier in der Fundacao die Möglichkeit, ein Instrument zu lernen. Unter anderem Saxofon. Da ich irgendwann erwähnt hatte, dass ich auch immer schon mal Saxofon spielen wollte, meinten der eine Saxofonlehrer hier "kein Problem, Mittwoch 14 Uhr". Also bin ich da dann um 14 Uhr hin... aber wie die Brasilianer so sind, kam der Lehrer dann so gegen 20 nach 2 ungefähr. Aber das ist hier ja normal. Allerdings hatte er dann den nächsten Termin leider vergessen. Da habe ich dann etwas länger auf ihn gewartet, ohne dass er kam. Aber es gibt noch einen zweiten Lehrer. Der meinte dann zu mir "Du spielst doch Querflöte, oder? Ich habe hier Noten für dich." Da hatte er dann das Stück, das ich letztes Mal bei dem anderen Lehrer auf dem Saxofon gespielt hatte, schon angefangen für Flöte umzuschreiben. Also habe ich dann geflötet, statt Saxofon zu spielen. Das war echt super. Der Lehrer ist super nett. Ich habe ein
Stück von Mozart dabei, dass ich üben soll. Der Saxofonlehrer hat dann angeboten, die Rolle des "Flötenlehrers" zu übernehmen und hilft mir jetzt beim Einüben des Stücks. Total klasse! :)
Aber in meiner Freizeit mache ich auch hier nicht nur Musik. Ich habe die hier sogar die Möglichkeit weiterhin Basketball zu spielen. In der Stadt gibt es ein Team, in dem auch Frauen spielen. Wir spielen dann zwar immer gegen Jungs, aber hier in Brasilien sind die meisten nicht viel länger als ich. Dadurch macht das spielen dann auch richtig Spaß, da man nicht immer nur geblockt wird, was in Deutschland der Fall wäre. Ich bin einfach überglücklich und zufrieden hier in Brasilien. Das Land und die Leute begeistern mich jeden Tag aufs Neue.
Die Umgebung von Arcoverde haben wir auch schon etwas kennen gelernt. Mit Tomasz haben wir einige Ausflüge gemacht und Wellington, der Leiter hier, hat uns auch schon einiges gezeigt.

Unser erster Ausflug ging nach Pedra. Das ist eine kleine Stadt in der Nähe von Arcoverde. Wir sind zu viert mit dem Bus dorthin gefahren, wir beide, Tomasz und Jackson. Jackson ist ein Freund von Tomasz. Er ist ein echt netter Brasilianer. Er hatte auch den Kontakt zu der Basketballmannschaft. Er kennt den Trainer und ist sogar die ersten beiden Male mitgekommen und hat dort gewartet, damit ich, Lea, den Weg auch sicher wieder zurück finde.
Zurück zu Pedra. Dort sind wir auf einen Berg gewandert. Das war ein erloschener Vulkan und von oben hatte man einen wunderbaren Ausblick über die Landschaft rings herum.
Ein anderer unvergesslicher Ausflug war am vorletzten Wochenende. Tomasz hatte eine Art Abschiedsfeier organisiert, da er am darauf folgenden Donnerstag wieder nach Polen zurück geflogen ist. Wir sind samstags mit 3 brasilianischen Freuden von Tomasz nach Catimbau gefahren. Dort ist ein Nationalpark. Mit Matratzen und Decken und jeder Menge Essen im Gepäck sind wir auf der Ladefläche eines kleinen Lasters dorthin gefahren, haben mittags gegrillt und die Nacht dort in einer Höhle verbracht. Es war wunderschön! Man konnte dort auf große Felsen klettern und von dort aus zum Beispiel den Sonnenuntergang betrachten.

Ein anderes Mal hat Wellington uns mit nach Campina Grande genommen. Die Stadt ist im Bundesstaat Paraiba. Dieser grenzt an Pernambuco, in dem Arcoverde liegt. Wellington fährt jeden Dienstag dort zur Uni. Er macht dort sein Doktoriat. Zu dem Zeitpunkt war dann auch Romina, eine weitere Freiwillige aus Deutschland, schon da. Also sind Tomasz, Romina, Johanna und ich durch die Stadt gezogen und haben uns natürlich auch einige Souvenirs geholt. Und wie sollte es anders bei Johanna und mir sein, waren es Ohrringe. :D
Gerade haben wir ja schon Romina erwähnt. Sie ist aus Bremen. Wir verstehen uns mit ihr einfach nur mega gut. Zum Glück. Wir haben hier jede Menge Spaß zusammen. Nächste Woche kommt noch ein weiteres Mädel aus Deutschland, aus der Nähe von Stuttgart. Allerdings wird sie nur am Wochenende hier in der Fundacao sein, da sie in Mimoso arbeiten wird. Das ist der Bauernhof, der auch zu dem Projekt gehört, allerdings noch weiter außerhalb liegt, als Malhada, wo Johanna arbeitet.

Sooo, dann kommen wir jetzt mal zum Ende der Mail. Wir werden uns auf jeden Fall demnächst wieder melden. Wir freuen uns auch immer, etwas aus der Heimat zu hören. :)

Ganz liebe Grüße aus dem einfach wunderschönen Brasilien!!!
Johanna und Lea

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